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Ein Drittel deines ERP-Budgets verschwindet in Layouts, die niemanden interessieren

  • Februar 11, 2026
  • David Tatzl

TL;DR: Mittelständler geben Hunderttausende für ERP-Systeme aus, aber ein Drittel des Budgets fließt oft in Dinge wie Beleglayouts, die keinen Wert schaffen. Der Grund: Teams digitalisieren alte Prozesse statt sie zu hinterfragen. Das Ergebnis ist teuer und ineffizient.

Satirische Illustration zur ERP-Einführung: hohe Kosten durch unnötige Layout- und Prozess-Anpassungen im Mittelstand
Ein Drittel des ERP-Budgets fliesst oft in Anpassungen, die keinen echten Mehrwert schaffen.

Worum’s hier geht

  • ERP-Projekte verschlingen oft massive Budgets für irrelevante Details wie Layout-Anpassungen
  • Der Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist der teuerste Satz im Mittelstand
  • Digitalisierung ohne Prozess-Hinterfragung ist nur teures Chaos in digital
  • Die richtige Frage ist nicht „Wie digitalisieren wir?“, sondern „Sollte dieser Prozess überhaupt existieren?“

Ich saß in einem Projekt auf Unternehmensseite. Wir haben ein neues ERP-System eingeführt.

Alles lief nach Plan, bis jemand sagte: „Die Belege müssen genauso aussehen wie im alten System.“

Was dann passierte, war absurd.

Wie 50.000 Euro für ein Layout verschwinden

Die Beleganpassung hat ein Drittel der Gesamtkosten verschlungen. Ein Drittel.

Nicht für bessere Prozesse. Nicht für Automatisierung. Nicht für irgendetwas, das dem Kunden einen Mehrwert bringt.

Sondern dafür, dass eine Rechnung genauso aussieht wie vorher.

Hier ist das Problem: Kein Kunde interessiert sich für dein Beleglayout.

Niemand ruft an und sagt: „Hey, eure Rechnung sieht diesen Monat anders aus, ich kündige den Vertrag.“

Aber im Projekt wird daraus ein Kampf. Weil es immer jemanden gibt, der sagt: „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Was das bedeutet: Unternehmen geben massive Budgets für Details aus, die keinen Wert schaffen. Weil niemand die Frage stellt: Brauchen wir das wirklich?

Warum „Das haben wir schon immer so gemacht“ der teuerste Satz ist

„Das haben wir schon immer so gemacht.“

Das ist der Satz, der Projekte teuer macht. Der Satz, der Transformation verhindert. Der Satz, der dafür sorgt, dass du ein neues System kaufst und am Ende denselben Prozess digitalisierst, der vorher schon nicht funktioniert hat.

Ich sehe das in Projekten.

Unternehmen führen ein ERP-System ein und wollen ihre Excel-Tabellen eins zu eins nachbauen. Sie wollen ihre alten Workflows exakt abbilden. Sie wollen, dass alles genauso aussieht, genauso funktioniert, genauso ist wie vorher.

Nur halt digital.

Das ist keine Transformation. Das ist Digitalisierung von Chaos.

Was das bedeutet: Wenn du alte Prozesse eins zu eins ins neue System überträgst, digitalisierst du nur Reibung statt sie aufzulösen.

Warum Teams alte Prozesse verteidigen

Es gibt einen Grund, warum das passiert.

Menschen hängen ihre Daseinsberechtigung an Prozesse. Wenn du seit 15 Jahren der einzige bist, der die Excel-Tabelle versteht, dann bist du wichtig. Wenn plötzlich jeder im Team den Prozess bedienen könnte, fühlst du dich ersetzbar.

Deshalb wird Veränderung blockiert. Nicht aus Bösartigkeit. Sondern aus Angst.

Und deshalb werden alte Prozesse ins neue System übertragen, weil es einfacher ist als die unbequeme Frage zu stellen: „Sollte dieser Prozess überhaupt existieren?“

Was das bedeutet: Widerstand gegen Veränderung kommt oft von der Angst, die eigene Daseinsberechtigung zu verlieren. Deshalb werden ineffiziente Prozesse geschützt.

Die eine Frage, die Zehntausende Euro spart

Seitdem stelle ich die Frage immer am Anfang eines Projekts:

„Muss das wirklich genauso sein wie im Altsystem?“

In den meisten Fällen lautet die ehrliche Antwort: Nein.

Die Informationen müssen auf dem Beleg sein. Aber ob das Layout identisch aussieht? Das interessiert ein halbes Jahr später niemanden mehr, weder den Kunden noch dich selbst.

Aber wenn du die Frage nicht stellst, verschwendest du Zehntausende Euro für etwas, das keinen Wert schafft.

Was das bedeutet: Die Frage „Muss das wirklich genauso sein?“ spart oft mehr Geld als jede technische Optimierung.

Was das eigentliche Problem ist

Das Problem ist nicht das ERP-System. Das Problem ist nicht die Technologie.

Das Problem ist, dass Unternehmen neue Software kaufen und dann versuchen, alte Prozesse zu rechtfertigen.

Sie digitalisieren Reibung, statt sie aufzulösen.

Ein neues System macht keinen kaputten Prozess besser. Es macht ihn nur schneller kaputt.

Was das bedeutet: Software ist kein Ersatz für Prozess-Überarbeitung. Ohne Hinterfragen der Arbeitsabläufe bleibt das Chaos, es läuft nur digital.

Was du stattdessen machen solltest

Bevor du ein System einführst, geh einen Schritt zurück.

Frag nicht: „Wie digitalisieren wir diesen Prozess?“

Frag: „Sollte dieser Prozess überhaupt existieren?“

Frag: „Was ist das eigentliche Ziel?“

Frag: „Was würden wir tun, wenn wir bei null anfangen könnten?“

Und dann bau das.

Nicht die digitale Version von gestern. Sondern die Lösung, die wirklich funktioniert.

Was das bedeutet: Stell die Prozessfrage vor der Systemfrage. Bau die Lösung, die funktioniert, nicht die, die bequem ist.

Warum das unbequem ist

Prozesse zu hinterfragen ist unbequem.

Es bedeutet, dass du zugeben musst: Was wir die letzten Jahre gemacht haben, war nicht optimal.

Es bedeutet, dass Mitarbeiter ihre Komfortzone verlassen müssen.

Es bedeutet, dass du Veränderung nicht nur initiierst, sondern durchziehst.

Aber wenn du das nicht machst, verschwendest du Geld. Nicht nur für Beleglayouts. Sondern für ein ganzes System, das am Ende genauso ineffizient ist wie das alte.

Was das bedeutet: Prozess-Hinterfragung ist unbequem. Aber ohne sie verschwendest du Geld für ineffiziente Digitalisierung.

Was ich heute anders mache

Ich verkaufe keine Systeme mehr, ohne vorher den Prozess zu verstehen.

Ich stelle Fragen, bevor ich Lösungen vorschlage.

Und wenn ich merke, dass ein Unternehmen nicht bereit ist, Prozesse zu hinterfragen, dann sage ich das.

Weil ich früher Projekte abgeschlossen habe, bei denen am Ende alles funktionierte, aber ein anderes System besser gepasst hätte. Weil ich nicht tief genug gefragt habe.

Heute frage ich tiefer. Und manchmal ist die Antwort: Ihr braucht kein neues ERP. Ihr braucht neue Prozesse.

Was das bedeutet: Die Bereitschaft zur Prozess-Hinterfragung ist wichtiger als jede System-Auswahl. Ohne sie scheitert jedes Projekt.

Die unbequeme Wahrheit über ERP-Projekte

Kein Tool der Welt repariert kaputte Prozesse.

Du könntest Millionen für ein neues ERP-System ausgeben. Aber wenn du deine alten Workflows eins zu eins überträgst, hast du am Ende nur ein teures Problem statt eines günstigen.

Die Frage ist nicht: Welches System kaufen wir?

Die Frage ist: Welches Problem lösen wir eigentlich?

Und wenn die Antwort „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist, dann hast du kein technisches Problem.

Dann hast du ein kulturelles.

Was das bedeutet: Software löst technische Probleme. Aber die meisten ERP-Probleme sind kulturell, nicht technisch.

Häufige Fragen zu ERP-Einführungen

Warum scheitern so viele ERP-Projekte?
ERP-Projekte scheitern oft nicht an der Technologie. Sie scheitern daran, dass Unternehmen alte Prozesse digitalisieren statt sie zu überarbeiten. Wenn kaputte Workflows ins neue System übertragen werden, bleibt die Ineffizienz bestehen.

Wie viel Budget geht für irrelevante Anpassungen drauf?
In manchen Projekten fließt bis zu einem Drittel des Budgets in Anpassungen wie Beleglayouts oder Workflow-Replikationen, die keinen Mehrwert schaffen. Das sind oft fünf- bis sechsstellige Beträge.

Warum verteidigen Mitarbeiter alte Prozesse so hartnäckig?
Menschen hängen ihre Daseinsberechtigung an Prozesse. Wenn jemand der einzige ist, der einen komplizierten Workflow versteht, gibt ihm das Sicherheit. Veränderung wird als Bedrohung empfunden.

Welche Frage sollte ich vor einer ERP-Einführung stellen?
Die wichtigste Frage ist: „Sollte dieser Prozess überhaupt existieren?“ Nicht: „Wie digitalisieren wir diesen Prozess?“ Die Prozessfrage muss vor der Systemfrage kommen.

Ist es besser, Prozesse vor oder während der ERP-Einführung zu überarbeiten?
Prozesse sollten vor der Systemauswahl überarbeitet werden. Wenn du erst das System wählst und dann die Prozesse anpasst, bist du an die Grenzen gebunden.

Was passiert, wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, Prozesse zu hinterfragen?
Dann verschwendest du Geld für ein teures System, das am Ende genauso ineffizient läuft wie das alte. Die Bereitschaft zur Prozess-Hinterfragung ist wichtiger als die Systemwahl.

Braucht jedes mittelständische Unternehmen wirklich ein neues ERP?
Nein. Manchmal brauchen Unternehmen keine neue Software, sondern neue Prozesse. Die Technologie sollte die Konsequenz sein, nicht der Ausgangspunkt.

Wie unterscheide ich zwischen sinnvollen und sinnlosen Anpassungen?
Frag dich: Schafft diese Anpassung Wert für den Kunden oder erleichtert sie einen wichtigen internen Prozess? Wenn die Antwort nein ist und es nur um „Das haben wir schon immer so gemacht“ geht, ist es wahrscheinlich sinnlos.

Die wichtigsten Punkte

  • Ein Drittel des ERP-Budgets fließt oft in Anpassungen, die keinen Wert schaffen
  • „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist der teuerste Satz im Mittelstand
  • Digitalisierung ohne Prozess-Hinterfragung ist nur teures Chaos in digital
  • Mitarbeiter verteidigen alte Prozesse aus Angst, ihre Daseinsberechtigung zu verlieren
  • Die richtige Frage ist nicht „Wie digitalisieren wir?“, sondern „Sollte dieser Prozess überhaupt existieren?“
  • Die Bereitschaft zur Prozess-Überarbeitung ist wichtiger als jede Systemauswahl
  • Software löst technische Probleme. Die meisten ERP-Herausforderungen sind kulturell

Inhaltsverzeichnis

  • David Tatzl
  • Februar 11, 2026
  • 9:26 a.m.
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